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Wirkungsforschung neu denken!


Die Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen über die Wirkungen von Bürgerbeteiligungsverfahren ist bisher überschaubar. Die Lücke zwischen dem Erfahrungswissen der Praktiker/innen und den Erkenntnissen der Forschung wird insbesondere in der Stadtentwicklung deutlich. Bürgerbeteiligung wird hier – wie auch in anderen Kontexten – zwar vielfältig erprobt, sie ist aber überwiegend auf bestimmte Anwendungsfelder oder auf den Einzelfall bezogen. Dementsprechend rar und herausfordernd sind Forschungsvorhaben in diesem Bereich.
Das Thementeam »Wirkungsforschung neu denken!« beschäftigt sich mit der Frage, wie die Wirkung von Bürgerbeteiligung fassbar gemacht werden kann. Ziel ist es, zu Ergebnissen zu kommen, die auch für die Praxis der Bürgerbeteiligung hilfreiche Hinweise geben.

Das Thementeam ist derzeit dabei, einen Überblick über das Themenfeld zu gewinnen. Hierzu wurde eine Liste mit Literatur zum Thema zusammengestellt und mit Erläuterungen versehen (siehe unten).

Darüber hinaus hat das Thementeam eine Liste an Leitfragen als (Diskussions-)Grundlage für die Entwicklung eines Evaluationsdesigns zusammengestellt. Basierend auf diesen Leitfragen kann ein Konzept entstehen, das die Realisierung von Evaluationsvorhaben im Bereich der Bürgerbeteiligung unterstützt. Besonderes Augenmerk soll darauf gerichtet werden, dass die Wirkung sehr vielfältig sein kann und verschiedenen Dimensionen zugeordnet werden kann. Bedacht werden müssen weiterhin sowohl der Gegenstand der Evaluation als auch die Durchführungsmethode. Die Evaluations-Dimensionen wurden in folgende Bereiche eingeteilt: Wirkung auf die Sachentscheidung durch Beteiligung, Wirkung auf die Stadtgesellschaft, weil Bürgerbeteiligung stattfindet, Wirkung auf die direkt Beteiligten (Bürger/innen, Verwaltung, Politik; Wirtschaft). Das PDF-Dokument mit einer Zusammenstellung der anstehenden Fragen finden Sie hier.

Das Thementeam freut sich über Fragen sowie Hinweise auf praktikable Ansätze oder bereits durchgeführte Wirkungsanalysen.

Haben Sie Interesse, sich über das Thema Wirkungsforschungs auszutauschen und an der Weiterentwicklung des Themas im Netzwerk zu arbeiten?

Kontakt:

Moritz Maikämper: moritz.maikaemper(at)b-tu.de

Ute Ehren: U.Ehren(at)detmold.de

Literatur zu Wirkungen von Bürgerbeteiligung
Das Thema »Wirkungen von Beteiligung« ist nicht neu. Mit Aufkommen der Evaluation in Deutschland in den 1970er Jahren finden sich bereits erste umfassende Auseinandersetzungen zur Messung und Erfassung von Wirkungen, in der Regel nicht auf Beteiligung bezogen. Sie können uns heute dennoch wertvolle Tipps geben, etwa die Werke von Hellstern und Wollmann. Rosener warf schon 1978 mit Blick auf Bürgerbeteiligung eine kritische Frage auf: »Where is the evidence that 'more is better'?« Bis heute können wir das nicht belegen.
Ein Blick in die Konzepte und bisher durchgeführten Evaluationen und Wirkungsanalysen zeigt, dass nicht jedes Beteiligungsverfahren gleichbehandelt werden kann. Kurze, sich wiederholende und mit überschaubaren Akteuren auskommende Beteiligungsverfahren, etwa bei Gesetzesvorhaben oder Bürgerhaushalten (Neunecker) sind – bei aller Komplexität – leichter zu analysieren als komplexe, aus mehreren Teilen bestehende Beteiligungsprozesse in oft jahrzehntelangen Infrastruktur- oder Stadtentwicklungsprojekten. Es fällt auf, dass neben klassischen beauftragten Evaluationen, vor allem Diplomarbeiten (u.a. Beck, Maikämper) und Promotionen (u.a. Förster, Neunecker) in diesem Feld zu den publizierten Beispielen gehören. Eine vergleichende deutschsprachige Wirkungsevaluation gibt es etwa von Kubicek u.a. International gibt es ebenfalls einzelne Beispiele. Sie aufzufinden ist u.a. deshalb schwer, weil es sehr unterschiedliche Begriffe gibt. Nicht überall, wo »Wirkung« draufsteht, steckt eine Wirkungsanalyse drin; manche Evaluation ist umfassend, klammert aber Wirkzusammenhänge bewusst aus (etwa Jakobs und Kleger). Die veröffentlichten Konzepte, Modelle und Forschungsagenden sind zudem schwer miteinander vergleichbar. Einige Autor/innen adressieren eher die grundlegende Vorgehensweise (z.B. Hellstern und Wollmann), andere fokussieren auf Kriterien (Goldschmidt) oder Wirkmodelle.
Wer sich für die Wirkungen von Bürgerbeteiligung interessiert, sollte auch andere Themenfelder in den Blick nehmen, in denen Wirkungsorientierung und –analysen eine längere Tradition haben, etwa die wirkungsorientierte Steuerung in Kommunen (Schneider) oder Entwicklungszusammenarbeit (Wilhelm). Die hier genannten sowie weitere Leseempfehlungen sind in folgendem PDF-Dokument zusammengestellt.

Literaturempfehlungen zu Wirkungen von Bürgerbeteiligung (Auswahl)

Diskussionen zum Thema auf dem Netzwerktreffen 2018
In unserer Dokumentation »in Progress« vom Netzwerktreffen 2018 finden Sie erste Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe 3 »Wirkung & Nutzen von Bürgerbeteiligung« (PDF).

Diskussionen zum Thema auf dem Netzwerktreffen 2017
Im Rahmen des Netzwerktreffens am 28. April 2017 traf sich erstmals die neuinitiierte Arbeitsgruppe »Wirkungsforschung neu denken!«. 12 Personen aus Praxis und Wissenschaft mit unterschiedlichen Zugängen zum Thema nahmen an der Diskussion teil.

Moritz Maikämper, der Initiator der Arbeitsgruppe, stellte einleitend Herausforderungen der Wirkungsforschung bei Beteiligungsverfahren dar. Einige sind methodischer Natur: Wirkungsforschung setzt in der Regel eine Kontrollgruppe oder Nullvariante voraus. Indirekte und diffuse Wirkungen sind schwer messbar. Zudem gibt es selten von allen Beteiligten anerkannte bzw. fallübergreifend klar definierte Ziele und Kriterien. Die Vergleichbarkeit verschiedener Beteiligungsformate ist ebenfalls zu hinterfragen. Zusätzlich sind Vorbehalte und Akzeptanzprobleme gegenüber Wirkungsforschung zu vermuten: Solange Bürgerbeteiligung als solche akzeptiert, jedoch mit vergleichsweise geringen Ressourcen ausgestattet ist, stellt die empirische Überprüfung von Wirkungen – bzw. die etwaige Offenlegung von begründeter Kritik – womöglich eher ein Risiko denn eine Chance dar.
Daran anschließend stellten die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe ihren Zugang zum Thema und ihre Erfahrungen dar. Es entwickelte sich eine lebendige Diskussion. Mehrere Personen hatten bereits Erfahrungen mit der Evaluation von (selbst durchgeführten) Beteiligungsverfahren. Fehlende Kriterien und geeignete Zeitpunkte zur Evaluierung/Wirkungsmessung wurden von mehreren Personen als Herausforderung genannt. Die wesentliche Frage mit Blick auf Wirkungsforschung ist aus Sicht der Beteiligten weniger das »wie« als das »ob« von Beteiligung. Es sollte daher stärker reflektiert werden, wann und wo Beteiligung überhaupt sinnvoll ist – unabhängig von Methode und erfolgreicher Weiterführung der Beteiligungsergebnisse. »Da hätten wir lieber mal nicht beteiligt.« konstatierten mehrere Personen zumindest für Einzelfälle.
Diskutiert wurde zudem die Bedeutung von Personen für den Erfolg von Beteiligungsprozessen, insbesondere von Bürgermeister/innen und Moderator/innen. Damit einhergehend wurde eine klare Zielsetzung von Beteiligungsverfahren als wichtig betont und empfohlen, stets Prozess- und Sachebene zu trennen.
Mit Blick auf die begrenzte Zeit und die vorab unbekannte Anzahl und Zusammensetzung der Mitdiskutant/innen ließ sich die Diskussion kaum zu einem klaren Ziel führen. Die große Resonanz und der Wille zur Weiterführung der Diskussion mündete in der Gründung eines Thementeams.

Ansätze zur weiteren Auseinandersetzung im Thementeam sind u.a.:

  • Unterscheidung von Erfolgsvoraussetzungen (Ursachen) für erfolgreiche Beteiligungsprozesse und deren Wirkung (Effekte)
  • Vergleichbarkeit von Bürgerbeteiligungsverfahren
  • Erfahrungen aus Fallstudien
  • Verhältnis der vorhergehenden Wirkungsabschätzung (ex ante) zur begleitenden Evaluationsforschung und der empirischen Wirkungsmessung (ex post)
  • Geeignete Zeitpunkte für eine Wirkungsforschung nach Beendigung des Beteiligungsprozesses (ex post)


Ein Foto der Pinnwand mit Stichworten aus der Diskussion ist hier verlinkt.


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