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Samtgemeinde Barnstorf – Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bürger/innenkommune


Der Erfolg gibt den Verantwortlichen Mut, den begonnen Weg weiter zu gehen. In dem Folgeprozess zum Projekt »Gläserne Konversion« hat sich jedoch auch gezeigt, dass – wenn sich die kommunale Entwicklung einmal umorientiert hat – das Fachpersonal in der Verwaltung gemeinsam mit den Politiker/innen eine Entwicklungsgeschwindigkeit erreichen kann, die es erschwert, im Rahmen einer Bürgerbeteiligung viele Menschen mitzunehmen bzw. zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen. Die Menschen an den Entwicklungsprozess anzubinden ist und bleibt jedoch eine notwendige Aufgabe für Politik, Verwaltung und Bürgerforum, um eine langfristig tragfähige Entwicklung zu garantieren.

Aus all diesen Entwicklungen und Aktivitäten haben sich für Barnstorf positive Effekte ergeben: Neue Unternehmen haben sich angesiedelt und damit zusammenhängend stiegen die Gewerbesteuereinnahmen. Neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, so dass bis Ende 2010 ein Höchststand an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen vermeldet werden konnte. Die Gemeinde sparte Kosten für den Bau von neuer Infrastruktur. Der Wert vorhandener Gebäude blieb erhalten und der Ortskern wurde deutlich belebt. Davon profitiert auch die Landwirtschaft, denn sie verliert einen starken Konkurrenzfaktor bei der Flächennutzung (die Flächenausweisung für Gewerbe und Wohnungsbau). Ein weiterer positiver Effekt ist, dass sich mit dem Leitbild im Hintergrund leichter Fördermittel akquirieren lassen. Mit diesen können dann Maßnahmen in innovativen und zukunftsorientierten Handlungsfeldern aktiv umgesetzt werden. Schließlich erzielte die Samtgemeinde mit ihrem Konzept zur »Energieeffizienten Stadtbeleuchtung« im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbes den ersten Preis in der Größenklasse bis 50.000 Einwohner/innen.

Herausforderungen, die sich im Beteiligungsprozess stellten

Doch trotz aller Erfolge sollen hier auch die Herausforderungen erwähnt werden. So erschwerte das »Kirchturmdenken« in den Mitgliedsgemeinden vielfach massiv die Realisierung gemeinsamer Projekte. Über wechselseitige Resonanzen zwischen Politik und Bürgerschaft ist im Rahmen des Projektes zwar ein Sichtwechsel in Gang gekommen, dessen Bearbeitung bedarf jedoch noch längerer Zeiträume.

Bürgerbeteiligung verursacht eine deutlich höhere Arbeitsbelastung in der Verwaltung. Dieses Gefühl der übermäßigen Belastung reduzierte sich zwar mit der zunehmenden Erfahrung im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern. Eine weitere Verbesserung dieses Umgangs bleibt in Barnstorf zugleich ein länger andauernder Lern- und Überzeugungsprozess, der auch eine gezielte Aus- und Fortbildung der kommunalen Mitarbeiter/innen erfordert. Insbesondere da noch nicht alle Bevölkerungsgruppen eingebunden werden konnten. So sind Migrantinnen und Migranten sowie Jugendliche zukünftig noch viel stärker in Beteiligungsprozesse zu integrieren.

Kommunale Entscheidungen und kommunales Handeln basieren häufig auf nicht nachgewiesenen Einschät-zungen. Zu selten stützen sich die Diskussionen von Pro und Contra auf konkrete Daten und Fakten. Um die lokale Brisanz der bisherigen Flächennutzung, aber auch die Chancen eines nachhaltigen Flächenmanagements und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Zukunftsentwicklung der Samtgemeinde Barnstorf kommunizieren zu können, war der Forschungsverbund auf die Hilfe »von oben« (Kreis, Land, Bund) und die Bereitstellung von Daten und Vorgaben verschiedener Fachrichtungen u. a. durch die Verbundpartner/-innen und von außen angewiesen. 

Übertragbare Erfahrungen und Erfolgsfaktoren

Zusammenfassend und rückblickend können folgende Faktoren als mitverantwortlich für den Erfolg identifiziert werden:

  • die interdisziplinäre Zusammensetzung des Forschungsverbundes,
  • die Transparenz im Forschungsverbund,
  • die Fachkompetenz, die für die jeweiligen Dimensionen der Nachhaltigkeit vertreten war,
  • die Anwendung eines breiten Instrumentenmixes aus Vorträgen, Workshops und Informationsveranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit,
  • die enge Zusammenarbeit mit den Führungskräften und politischen Vertreterinnen und Vertretern der beiden Samtgemeinden und deren Einbindung als authentische Befürworter und Vertreter eines nachhaltigen Flächenmanagements,
  • die hohe Flexibilität und das Eingehen auf Prozessdynamiken,
  • die starke emotionale Betroffenheit der Akteure, die es ermöglichte, sehr unterschiedliche Zielgruppen in den Prozess zu integrieren und damit eine breite Öffentlichkeit zu beteiligen,
  • das Aushandeln nächster Prozessschritte zwischen externen Beraterinnen und Beratern, Verwaltungsspitze und Bürgerinnen bzw. Bürgern und
  • die konstruktive Kommunikation dieser Schritte über die Presse an die Öffentlichkeit,
  • die Integration des avisierten Entwicklungsziels in einen »Gesamtkanon« von Zielen der kommunalen Entwicklung und deren regelmäßige Überprüfung durch eine »Korrekturinstanz« (hier das Bürgerforum) (vgl. Böhm et al. 2009, S. 112f).

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