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Samtgemeinde Barnstorf – Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bürger/innenkommune
Auf Basis der o. g. Ausgangshypothese, dass Partizipation nicht »automatisch« zu nachhaltigem Flächenmanagement und Nachhaltigkeit führt, war es vorab notwendig, die vorhandenen Wissens- und Wertbestände zu identifizieren und ggf. zu erweitern. Ziel dieses Arbeitsschrittes war es, herauszufinden, welche Beziehung die Menschen zu ihrer Umgebung, zu Boden und Fläche und zum Thema Umweltschutz haben, was ihnen ihr ländlicher Lebensraum bedeutet und ob sie Bauland- und Gewerbegebietsausweisungen mit dem Aspekt der Flä-chenreduzierung in ihrer ländlichen Umgebung in Verbindung bringen. Aufgrund dieser Befragung konnten die Informationen und Argumente auf die Wissensdefizite der Bevölkerung optimal zugeschnitten werden.
Der »Kasernenfrühling 2007« auf dem Gelände der ehemaligen Hülsmeyer-Kaserne in Barnstorf bot den Menschen den Anlass, das Kasernengelände zu besuchen. Ausschlaggebend für ihre rege Teilnahme war nicht das Thema »Nachhaltiges Flächenmanagement«, sondern das begleitende Rahmenprogramm, welches unter starker Beteiligung der Einwohner/innen der Samtgemeinde geplant und umgesetzt wurde. Die Kommune (als Ganzes) demonstrierte, was Leben und Arbeiten in der Samtgemeinde Barnstorf heißen kann. Lokale Einzelakteure präsentierten sich ebenso wie ortsansässige Vereine und Verbände. Beratungen fanden statt zu Wirtschaftsförderung, zu Flächen und Gebäuden und zu nachhaltigem Flächenmanagement. Mehrere Tausend Besucher/innen informierten sich auf diese Weise und bekamen ein Bild von der Lebendigkeit der Samtgemeinde und der Qualität des Kasernengeländes.
Ein wichtiges Ergebnis des Tages war, dass Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und politische Entscheidungsträgerinnen und -träger begannen, sich mit den Möglichkeiten einer Nachnutzung intensiver auseinander zu setzen. Zudem konnten sie sogar vielfach von der Bedeutung eines nachhaltigen Umgangs mit der Ressource Boden und der Kaserne als in diesem Zusammenhang wichtige Ressource überzeugt werden. Der Erfolg des Kasernenfrühlings ist in der Umsetzungsform und den damit verbundenen Möglichkeiten begründet. So wurde er mit Bürgerinnen und Bürgern, politischen Vertreterinnen und Vertretern sowie Verwaltungsmitarbeiterinnen und –mitarbeitern inkl. Bürgermeister vorbereitet, wodurch ein Höchstmaß an Transparenz und Kommunikation entstand. Für interessierte Investorinnen und Investoren bot der Tag eine gute Gelegenheit, sich »quasi nebenbei« über die Liegenschaft zu informieren oder sich die Gebäudesteckbriefe anzuschauen. Dies ermöglichte größtmögliche Geheimhaltung des potenziellen Kaufinteresses seitens der Interessenten und Interessentinnen.
Dieser Erfolg war die Basis für zwei wichtige Schritte im Beteiligungsprozess. So bewog er den Rat dazu, dem Kauf und der tranchenweisen Vermarktung der Kaserne zuzustimmen, wenn auch mit knapper Mehrheit. Anschließend gelang es, innerhalb kurzer Zeit einen Großteil der ehemaligen Kaserne an gewerbliche Unternehmen zu vermarkten. Inzwischen sind die meisten Gebäude verkauft, einige vermietet. Darüber hinaus bot der Erfolg dem Forschungsverbund und dem Bürgermeister die Chance, gemeinsam mit einem eingerichteten Einwohner/innenbeirat und der Öffentlichkeit über das Thema Nachhaltigkeit und Flächenmanagement zu diskutieren.
Der Einwohner/innenbeirat wurde im November 2007 als freiwilliges, informelles Beteiligungsgremium eingerichtet. Von Beginn an beteiligten sich daran ca. 30 Bürgerinnen und Bürger, die in schwankender Zahl (zwischen acht und 15 Personen) an den insgesamt sieben Sitzungen während der Projektlaufzeit teilnahmen. Im Laufe des begleiteten Beteiligungsprozesses entwickelte der Einwohner/innenbeirat nicht nur ein Leitbild für Barnstorf. Er war auch intensiv in die wissenschaftlichen Arbeiten eingebunden und hat entscheidende Impulse (z. B. Hinweise für Orte zur Beteiligung in der Woche der Fläche, Veranstaltungsabläufe, wichtige Personen, die eingebunden werden sollten, u. ä.) für den weiteren Prozessverlauf gegeben.


